Jürgen Melzer siegt nach Startschwierigkeiten

London - Der Davis-Cup-Länderkampf zwischen Großbritannien und Österreich in Wimbledon wird wie erwartet erst am Sonntag entschieden.

Nach einem Viersatz-Sieg von Jürgen Melzer nach 3:6,1:4-Rückstand über Alex Bogdanovic auf dem Court 1 setzte sich am Freitagnachmittag auch der Weltranglisten-Vierte Andy Murray vor rund 10.000 Zuschauern gegen Alexander Peya mit 6:4,6:1,6:3 durch.

Nächster Programmpunkt im Weltgruppen-Play-off ist am Samstag (14:00 Uhr MESZ) das Doppel, für das vorläufig Jamie Murray/Ross Hutchins bzw. Julian Knowle/Jürgen Melzer nominiert waren.

Melzer beendet "Auswärtsfluch"

2:35 Stunden hatte Melzer im Auftaktmatch benötigt, um seinen "Auswärtsfluch" (1:7-Einzelbilanz in der Fremde) ablegen zu können. Der Druck war freilich auch für Melzer sehr groß gewesen.

"Ich habe gewusst, wenn ich dieses Match verliere, dann ist dieser Länderkampf wahrscheinlich vorbei."

Österreichs Nummer 1 hatte in diesem Duell zweier Linkshänder nicht wie der klare Favorit begonnen: Im siebenten Game musste der Niederösterreicher das Break zum 3:4 hinnehmen und den Aufschlag auch zum 3:6 abgeben.

Ein Break zum 2:0 für den Weltranglisten-162. brachte dem Hausherren, der in bisher sieben Erstrunden-Partien in Wimbledon noch nie ein Match auf dem "Heiligen Rasen" gewonnen hatte, eine schon sehr komfortable 6:3,4:1 und 40:15-Führung bei Aufschlag Melzer.

Doch der 27-jährige Melzer zog den Kopf noch aus der Schlinge.

"Habe Kopf wieder freibekommen"

"Ich hatte wenig zu lachen eineinhalb Sätze lang, und ich war sehr knapp dran, 0:2-Sätze hinten zu liegen. Aber ich habe meinen Kopf wieder gerade bekommen, versucht, in mein Spiel hineinzufinden, und gewusst, wenn mir das gelingt, dann bin ich einfach besser", analysierte Melzer.

Der Weltranglisten-41. rettete sich ins Tie-Break, machte sieben Games in Folge und steigerte ab Satz drei auch seine Aufschlagleistung um einiges.

Nach dem Gewinn des zweiten Satzes drehte sich die Partie ganz in Richtung Melzer, für den der Sieg auch in seiner ganz persönlichen Davis-Cup-Karriere ein besonderer war. Grund für die Wende war für ihn das in den vergangenen Wochen erworbene Selbstvertrauen.

"Es war ein sehr schöner Sieg, vor allem auf diesem Platz, die Stimmung war sehr gut. Es ist ein sehr wichtiger Sieg. Somit haben wir uns in eine sehr gute Position gebracht, um den Davis Cup auch wirklich gewinnen zu können."

Peya chancenlos

Daran änderte dann auch die anschließende glatte Niederlage von Alex Peya gegen Andy Murray nichts mehr.

Murray, der von seinen Fans frenetisch empfangen worden war, gab sich gegen die Nummer 164 der Welt aus Wien keine Blöße.

Nach 107 Minuten war die Vorstellung auch schon wieder vorbei, es war der erste Auftritt des Schotten seit den US Open.

Lob von Murray

"Es war sehr gut. Er hat gut gefightet, aber ich hatte einen guten Start und habe mich dann recht gut gefühlt", meinte Murray.

Sein Kapitän John Lloyd wollte vor dem Publikum noch nicht entscheiden, ob er Andy vielleicht auch im Doppel einsetzt. Von österreichischer Seite wurde aber erwartet, dass neben Jamie Murray (Mixed-US-Open-Sieger) sein Bruder einlaufen wird.

Immerhin wollten auch die Samstag-Besucher "ihren" US-Open-Finalisten feiern. "Ich glaube, dass wir in jedem Fall leichte Favoriten im Doppel sind", meinte Melzer.

Vorfreude auf Melzer gegen Murray

Mit Spannung wurde freilich schon am Freitag das Duell der beiden Nummern 1, Murray gegen Melzer, erwartet.

Sollten Knowle/Melzer das Doppel für sich entscheiden können, dann könnte es den überraschenden Auswärtssieg für das ÖTV-Team bringen.

Melzer: "Es wird ein großes Match, egal wie es steht. Entweder muss ich gewinnen oder ich habe die Chance, es auszumachen."

"Murray ist nicht irgendjemand"

"Es war nicht irgendjemand, gegen den ich hier gespielt habe, es war die Nummer 4 der Welt. Ich glaube, dass hat er dann auch immer wieder gezeigt."

"Er hat mich gleich zu Beginn gebreakt, ich habe sechs erste Aufschläge ins Feld gebracht und das Break zu 30 bekommen. Dann immer hinterherzulaufen, macht es nicht einfacher", lautete Alexander Peyas Kommentar zur glatten Dreisatz-Niederlage.

 Murray sei ein sehr unberechenbarer Spieler, kann jeden Schlag spielen. "Man weiß nie, was zu erwarten ist, und er kann auch alles."

Für den Sonntag könnte ihm erstmals in seiner Karriere ein Entscheidungsmatch blühen, falls er beim Stand von 2:2 gegen Bogdanovic einlaufen müsste.

"Wird ein sehr offenes Match. Natürlich wäre es Druck, aber den hat man im Sport immer. Ist schon ein Match, auf das man sich auch freut."

Gab Schaller den entscheidenden Push?

Das 1:1 war zwar das erwartete Zwischenergebnis, doch am Beginn hatte Davis-Cup-Kapitän Gilbert Schaller doch auch schwierigere Zeiten: "Die ersten eineinhalb Stunden bei dem Davis Cup ist es mir nicht so gut gegangen, Gott sei Dank hat sich der Würfel in die richtige Richtung gedreht."

Der richtige Push in die richtige Richtung für Melzer von seiner Seite auf der Betreuerbank habe da vielleicht auch geholfen. "Er ist immer mehr in die Passivität verfallen."

In der Rolle des Kapitäns wohl ein besonderer Tag? "Sagen wir einmal so, ich habe öfters das Gefühl gehabt, wärde ich nicht hier sitzen, würde es auch nicht viel bedeuten, aber heute definitiv im ersten Match hat es schon einiges gebracht."

Für Samstag erwartet er das Schlüsselspiel. "Da werden sicher einige heiße Szenen sein. Ich erwarte ein sehr enges Doppel, aber ich hoffe, dass wir mit einem 2:1 in den Sonntag gehen."

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